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Was bedeutet sublinguale Immuntherapie?
Die
sublinguale Immuntherapie ist eine spezielle Form der spezifischen
Immuntherapie, bei der das Medikament vom Patienten selbst unter die
Zunge getropft wird. Das Medikament besteht, wie im vorigen Abschnitt
beschrieben, aus dem Allergen, wird aber in so niedrigen Konzentrationen
eingesetzt, dass keine Beschwerden entstehen.
Über die Mundschleimhaut können verschiedenste Stoffe in geringen
Mengen absorbiert werden. Diese Aufnahme ist schon seit langem bekannt
und wird auch bei anderen Medikamenten, die sehr schnell wirken und
nicht erst in den Magen oder Darm gelangen sollen, genutzt, wie zum
Beispiel bei manchen Medikamenten gegen erhöhten Blutdruck.
Beim Auftreten von allergischen Symptomen während der akuten Erkrankung
werden die auslösenden Allergene auch in erster Linie über die Schleimhäute
von Mund und Nase aufgenommen und verursachen dort die Beschwerden.
Die sublinguale Immuntherapie setzt also direkt an Ort und Stelle
der Erkrankung an.
Der Patient tropft sich in den ersten Tagen eine sehr niedrige Dosis
des Allergens unter die Zunge, die bis zu einer bestimmten Höhe regelmäßig
gesteigert wird. Um dem Medikament genügend Zeit zur Aufnahme zu ermöglichen,
muss es zwei Minuten unter der Zunge gehalten werden und wird anschließend
geschluckt. Die Substanzen gelangen beim Schlucken noch an weitere
Stellen der Schleimhäute und können dort möglicherweise zusätzliche
Wirkung entfalten. Im Magen angelangt, werden die Allergene durch
die Magensäure weitgehend zersetzt und inaktiviert, so dass sie dort
nur relativ selten Störungen hervorrufen können. Die Anwendung erfolgt
je nach Produkt und Hersteller täglich oder jeden zweiten Tag und
muss, um das Immunsystem nachhaltig zu beeinflussen, in den meisten
Fällen zwei bis drei Jahre durchgeführt werden.
Die Anwendung ist für den Patienten sehr einfach. Er sucht sich einen
festen Zeitpunkt am Tag zur Einnahme aus, zum Beispiel morgens oder
vor dem Schlafengehen, so dass diese zu einer ähnlichen Gewohnheit
wie das regelmäßige Zähneputzen wird. Der Geschmack der Tropfen ist
mehr oder weniger angenehm und wird auch von Kindern problemlos angenommen.
Die sublinguale Immuntherapie wird gelegentlich noch mit der oralen
Immuntherapie verwechselt, bei der das Präparat nicht über die Mundschleimhaut
aufgenommen, sondern direkt geschluckt wurde.
Diese Methode hat sich jedoch nicht bewährt. Die Verbreitung der sublingualen
Immuntherapie und die internationale Anerkennung sind in den letzten
Jahren deutlich gestiegen und von der Weltgesundheitsorganisation
anerkannte internationale Studien demonstrieren die klinische und
immunologische Wirkung der Präparate und ihre äußerst gute Verträglichkeit.
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